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Presse-Echo: Kabarett


Badesalz06.12.2008

Von Absurdistan bis nach Dugi Otok

Badesalz-Auftritt in Korbacher Stadthalle - Ausgangspunkt: Gitarrenladen, Endprodukt: vergnüglicher Abend

VON DENNIS SCHMIDT

Korbach. Diese beiden Herren sind lustig. Auch noch nach mehr als einem Vierteljahrhundert. Beim ersten Auftritt von Badesalz in der Korbacher Stadthalle waren Programm (Dugi Otok) und Stuhlreihen gut gefüllt. Und auch den Humorakku haben die zwei Comedians für ihre Gäste wieder aufgeladen.

 

Duo Badesalz - Henni Nachtsheim und Gerd Knebel

 

Der Ausgangspunkt ist folgender: Hebbe (Gerd Knebel) und Gemal (Henni Nachtsheim) sind zwei liebenswerte Spinner, nah dran am gedanklichen Chaos, weit entfernt von produktiver Arbeit. Man muss ihnen zugute halten: Die beiden haben auch alle Zeit der Welt dafür. Denn in ihren ?Guittar Shop" verirrt sich (bis auf eine einzige Ausnahme) kein Mensch. Im Gegenteil: Die beiden sind selbst ihre besten Kunden. Was in einer Kneipe fatal wäre, sorgt in der Stadthalle für gute musikalische Unterhaltung; aber dazu später mehr.

Also spinnen die beiden um die Wette. ?Das Bariton-Saxofon wurde nur erfunden, um der Menschheit Wal-Laute vorspielen zu können", findet Gemal. Denn irgendwann haben ?die Japaner den letzten Wal in die Dose gekloppt." Und überhaupt: der Mensch stammt vom Fisch ab, nicht vom Affen. ?Man sieht das bei Babys. Wenn du die ins Wasser gibst, machen sie was? Schwimmen. Und setzt man sie neben eine Palme, klettern sie doch nicht am Stamm hoch und pflücken eine Kokos-nuss, wie es Affen machen." Überzeugendes Argument. Genauso wie die Warnblitzer mit eingebautem Grinsemännchen, die vor den richtigen Blitzern im Straßenverkehr warnen sollen.

Wenn es nach Gemal ginge, dann würde der Laden übrigens laufen. ?Wir müssen uns breiter aufstellen. Posaune mit Matjes-filet - dann kommen die Leute."

Hebbe steht dem in nichts nach. Eigentlich will er ja die Zeit nutzen, um sein Heavy-Me-tal-Festival auf der kroatischen Insel Dugi Otok für Tausende Fans vorzubereiten, ?die Gabi hat ja auch schon ein paar Frikadellen gemacht." Aber dann schweifen die Gedanken doch immer wieder ab. Wenn Hebbe, der ?rheumakranke, hüftsteife Frosch", nicht gerade sarkastisch ?die Dräcksäck" beschimpft, ist er vor allem eins: ungeduldig. Zeitlupen sind ihm ein Graus. Toast, der länger als drei Sekunden braucht, fischt er aus dem Gerät.

Musikalisch gesehen hat das Comedy-Duo einiges auf dem Gitarrenkasten. Vor allem Knebel weiß mit seinen Griffkünsten zu überzeugen. Saxofon und E-Gitarre waren aber auch nicht schlecht. Jan Delay wird ebenso verwurschtet wie Roger Cicero, ?der Frank Sinatra für Hartz IV-Empfänger".

Badesalz waren bereits Comedians, als die englische Bezeichnung noch gar nicht erfunden
war. In den letzten 28 Jahren haben die eingefleischten Hessen so ziemlich alles durch den Kakao gezogen. Das machen sie immer noch gut.

Kleiner Wermutstropfen: die Dramaturgie. Wenn auch die einzelnen Szenen, in die der Auftritt unterteilt war, in sich geschlossen sind, fehlt doch ein Höhepunkt. So kommt es, dass Henni Nachtsheim und Gerd Knebel zum Ende hin immer besser werden, immer weiter aufdrehen - und dann (trotz zwei überzeugenden) Zugaben einfach so von der Bühne verschwinden.

Geblieben ist dagegen die Gewissheit, dass es die beiden Herren immer noch können - Witze machen.  Manch einer der Besucher trällerte beim Verlassen des Saals noch eines der einprägsamen Lieder. Und den Witz mit dem Offenbacher Blut an der Stoßstange wird manch einer auf Waldeck-Frankenberger Verhältnisse zurechtschustern. Lacher im Waldecker Bereich sind dann sicher.
 


GESAGT
 "Nach zwei Rechtschreibreformen stimmt es wieder."
Henni Nachtsheim über sein ersteigertes ?Guittar"-Schild


Quelle: WLZ vom 6. Dezember 2008

 


Lustig, aber langsam

Badesalz sorgte für Lachsalven - Tempo und Witz ließen aber zu wünschen übrig

Von Astrid Rau

KORBACH. Was macht man, wenn man einen Gitarrenladen hat, in dem schon seit Jahren niemand mehr was gekauft hat? Man sucht nach alternativen Geschäftsideen, damit wieder Kohle reinkommt. Wie das geht, haben am Donnerstag Shop-Besitzer Hebbe und Gemal alias Gerd Knebel und Henni Nachtsheim alias Badesalz ihren Fans in der Korbacher Stadthalle nahe gebracht. Ihren absurd-komischen Dialogen verdankte das Publikum Lach- und Kichersalven ohne Ende.

 

Duo Badesalz

 

Während da also Hebbe im Laden steht und eigentlich nur eine Gitarre durchstimmen will, driftet er auf einmal völlig ab, legt ein fettes Gitarrensolo hin und kriegt eine Erleuchtung: ein Metal-Festival auf der kleinen, dalmatinischen Ferieninsel Dugi Otok, das wär's. Auf Dugi Otok (daher auch der Name des aktuellen Badesalz-Programms) war nämlich Hebbe mal mit seinem Kumpel Chris, der dort gern auf ein Metal-Festival gegangen wäre, aber es gab keins. Ergo: Auf Dugi Otok gibt es Bedarf an so einem Massen-Event.

Gemal findet die Idee allerdings völlig bescheuert, schon an sich, weil Hebbe ihm gerade eben sein MTV-Musik-Video vermasselt hat und auch die neue Ladeneinrichtung völlig daneben findet, die Gemal ersteigert hat. Doch der findet es nicht schlimm, dass auf dem Schild ?Betzels Guittar Shop steht", obwohl im Laden keiner Betzel heißt: ?Der Chef von Aral heißt ja auch net Aral, und trotzdem steht überall Aral drauf." Am Ende jedenfalls bekommt Gemal einen Brief von Greenpeace, wo er bei einem Song-Wettbewerb teilgenommen hat. Mit seinem Fischrettungslied ist er zum Greenpeace-Festival eingeladen worden. Und das findet wo statt? Natürlich auf Dugi Otok, und natürlich kommt Hebbe mit als Gitarrenbegleitung. Und wie sich das dann anhört, führte Badesalz auch gleich vor. Diese Musikeinlage, wie auch das ?Lied für die letzte Reihe" (eine ansonsten unbeachtete Minderheit), gehörte zum Besten des Abends. Natürlich waren die beiden Südhessen lustig. Aber manchmal fehlte den Dialogen Tempo und Witz.

Von den hessischen Comedy-Urgesteinen ist man Besseres gewöhnt.

Quelle: HNA vom 6. Dezember 2008