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Presse-Echo: Kabarett


Uwe Steimle19.04.2008

Ostalgie-Kurs auch für Wessis


KORBACH (lb). Einen Crash-Kurs in Ostalgie hat Schauspieler und Kabarettist Uwe Steimle am Donnerstag dem Publikum in der Korbacher Stadthalle geboten - mit feinsinnigem Humor und feinem Dresdner Sächsisch.

Wissen sie, was "Schnittgerinne" ist? "Sie müssen fragen!", fordert Uwe Steinle das Publikum in der Stadthalle immer wieder auf. "Bei uns hat das auch so angefangen, dass keiner mehr gefragt hat." Die Mauer ist weg, die Sprache zieht weiter einen tiefen Graben: Auch knapp 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist den Westdeutschen das Ost-Vokabular genauso fremd wie die Menschen dort. Und auf der Beliebtheitsskala deutscher Dialekte rangiert Sächsisch meist sehr weit unten. In den Ohren von Uwe Steimle klingt die Mundart allerdings wie Musik, ganz besonders das "feine Dresdner Sächsisch" aus seiner Heimatstadt.

Der Schauspieler und Kabarettist ist einem großem Publikum vor allem durch seine Rolle als "Polizeiruf "-Kommissar Jens Hinrichs bekannt. Aber auch mit seinem Kabarett-Programm feiert er Erfolge: Im Osten weckt er sächselnd nostalgische Gefühle und kühlt mit Humor seelische Wunden, im Westen schürt er ironische Selbsterkenntnis und öffnet Ohren.

Sein Programm besteht in erster Linie aus den bis ins Absurde getriebenen Dialogen zwischen Günther Zieschong, arbeitsloser Ex-Brigadier, und Rentnerin Ilse Bähnert, die sich mit dem nach der "Kehre", wie Steimle die "Wende" nennt, übergestülpten West-Alltag auf eine ganz eigene Art und Weise arrangiert haben. Steimle hat den Dresdnern für seine liebevoll gezeichneten Figuren aufs Maul geschaut und eine gehörige Portion Ostalgie mit dazu gepackt. Die Eintrittskarte sei eine gute "Inostition", verspricht Steimle dem Korbacher Publikum.

Die "Wende" ist dabei der neuralgische Punkt seines Programms, sozusagen die Wurzel allen Übels. Dabei hätte man 1990 nur von den Westsemmeln auf das ganze System schließen müssen, mit der ganzen Luft, aus der sie bestünden. Der Grat von erlaubter Nostalgie hin zur verklärten Glorifizierung der DDR-Vergangenheit ist schmal.

Steimle hat das nötige Fünkchen Selbstironie bei aller Kritik am Westen aber immer parat: "In der DDR wurden wir von Dummen regiert, das wussten wir. Aber hier sind es Kluge, Studierte. Das ist viel gefährlicher. " Und der Dresdner hat die Hoffnung für den "Standort Deutschland" aber noch nicht aufgegeben: "Es heißt noch nicht: Stand dort Deutschland?"

Als Bonbon zum Abschluss gab Steimle mit typisch asthmatischer Stimme den Honecker - mit Seitenhieb auf die neuen "Linken": "Wenn man genau hinhört, der Lafontaine spricht auch schon so." Ach ja: "Schnittgerinne" nennt der Dredner die Gosse.

Quelle: WLZ vom 19. April 2008