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  • Gleich knallts

    Montag, 07. November 2022, Waldeckische Landeszeitung

    Vom Alltäglichen zum Politischen

    MONTAGSINTERVIEW Friedolin Müller freut sich auf Kabarett-Abend in Korbach

    VON LUTZ BENSELER

    Das Kabarettisten-Duo „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ mit Wiebke Eymess und Friedolin Müller ist am Samstag, 12. November, mit seinem Programm „Gleich knallt’s“ im Korbacher Bürgerhaus zu erleben.

    Korbach – „Gleich knallt’s“ heißt das aktuelle Programm: Das Kabarett-Duo „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ tritt am 12. November im Korbacher Bürgerhaus auf. Im Interview spricht Friedolin Müller – der männliche Part an der Seite von Wiebke Eymess – über Paare auf der Bühne, Landliebe und Landfrust und Humor in schwierigen Zeiten.

    Als Erstes müssen wir klären, wer ist Marie und warum liegt das Geld auf der Fensterbank?

    Es gibt ja keine Marie bei uns, deswegen ist es erst mal ein langer Quatschname. Er geht aber zurück auf ein Wanderlied von Kurt Tucholsky, aus dem sich eine Redewendung entwickelt hat: „Gute Nacht Marie, das Geld liegt auf der Fensterbank.“ Das heißt soviel wie: Der Letzte macht das Licht aus – eine Art ungute Zukunftsahnung. Aber der Name muss nicht unbedingt etwas bedeuten, er ist einfach wie ein langer Titel einer Band. Er fällt auf und Zeitungsleute mögen ihn oft nicht, weil er in keine Überschrift passt. Insofern haben wir den Namen manchmal bereut, meistens aber nicht, weil jeder merkt ihn sich und erinnert sich auch nach fünf Jahren noch daran.

    Sie sind ein Paar auf der Bühne und im Leben. Ist das eher ein unerschöpflicher Quell der Inspiration oder ein Hemmnis?

    Wir haben am Anfang auf der Bühne gar nicht thematisiert, dass wir ein Paar auch im Leben sind, haben aber irgendwann gemerkt, dass das Quatsch ist: Die Leute fragen sich das eh, wenn ein Mann und eine Frau auf der Bühne stehen, in welchem Verhältnis beide zueinander stehen. Deshalb war es auch eine Frage der Authentizität, dass wir es auch auf der Bühne erzählen. Was aber nicht heißt, dass wir unser Leben auf die Bühne bringen.

    Sondern?

    Die „Grunddaten“, die wir auf der Bühne verhandeln, die stimmen schon. Wir machen aber ganz unterschiedliche Dinge auf der Bühne, vom Gedicht über das Lied bis hin zu Dialogen. Die Texte beginnen oft mit ganz alltäglichen Dingen und haben dann doch eine gesellschaftspolitische oder politische Bedeutung – wobei ich uns den Stempel „politisches Kabarett“ nicht geben würde. Aber in manchen Nummern sind wir politischer, als mancher, der sich diesen Stempel gibt. Der Unterschied ist vielleicht, dass wir vom Privaten aufs Politische kommen und nicht andersrum. Manche Kabarettisten reden gerne über Politiker, die Gags drehen sich am Ende aber um Handhaltungen, Dekolletégrößen und dass – überspitzt gesagt –Politiker dumm sind. Da kommt man vom Politischen auf den Stammtisch oder aufs Private, wir machen es eher andersrum.

    Sind die klassischen Mann-Frau-Geschichten also eher eine Plattform, um zu ganz anderen Themen zu gelangen?

    Das ist richtig. Wer zu uns kommt und einen Pärchenabend erwartet, der kriegt auch etwas, aber er muss dann auch ein paar Mal schlucken. Wir machen schon einen Unterhaltungsabend, aber wir nennen es ganz bewusst Kabarett und nicht Comedy.

    Welche Themen sind ihnen dabei wichtig?

    Wir hatten vor gut zehn Jahren schon Themen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel und Ernährung im Programm. Das sind Themen, die jetzt im Mainstream angekommen sind, sodass die Menschen bei unseren alten Nummern jetzt denken: Ach, wie aktuell. An diesen Themen kratzen wir immer wieder. Letztlich geht es uns darum, was der Konsument machen und ändern kann. Die Leute müssen aber keine Angst haben, dass sie Zeigefinger-Vorträge von uns bekommen, dass sie unbedingt Veganer werden müssen.

    Das Landleben ist eines ihrer Themen – sie selbst sind eigentlich Stadtkinder, aber dann aufs Land gezogen. Wo trifft Landlust auf Landfrust?

    Wir kommen eigentlich aus Hannover, sind aber vor sechs, sieben Jahren aufs Land gezogen. Jetzt wohnen wir richtig auf dem Dorf mit 800 Einwohnern. Ich will das gar nicht schwarz-weiß malen, wir sind zufrieden. Aber es gibt schon Punkte, in denen ein großer Kontrast besteht zwischen dem Bild, das in der Zeitschrift „Landlust“ vermittelt wird, und dem wie es wirklich ist: Kiesgärten, Kirschlorbeer und Mais für die Biogasanlagen. Wir hatten vorher bei uns im Innenhof in Hannover mehr Tierarten als anfangs in unserem Garten auf dem Land. Die Tiere mussten erst wiederkommen.

    Die Pandemie war eine schwierige Zeit für viele Künstler, Sie haben das kreativ genutzt und einen Corona-Blog geschrieben, der sehr gut angekommen ist. Was hat die Menschen da so angesprochen, wo haben sie sich wiedergefunden?

    Auf einmal hatten ganz viele Menschen dasselbe Schicksal: Büromenschen, Arbeiter und auch die Künstler – alle saßen zu Hause. Das ergab eine große Fläche für Identifikation. Und wir saßen mit zwei Schulkindern zu Hause, eine Herausforderung, die wir mit Millionen geteilt haben. Am Anfang war es ein Blog im Internet, den wir schnell auf andere Themen ausgeweitet haben, daraus ist dann die Radio-Comedy „So ist Familie“ für SWR3 geworden, die es bis heute gibt.

    Die Zeiten sind weiter schwierig, braucht man jetzt besonders viel Humor?

    Es gibt auf jeden Fall kein Verbot, dass man in diesen Zeiten nicht lachen darf. Im Februar gab es unter vielen unserer Kollegen die Diskussion, ob man jetzt überhaupt auftreten darf. Da kann man natürlich gleich die Gegenfrage stellen: Und was ist mit dem Krieg im Jemen und dem Krieg in Syrien? Da sind wir auch alle weiter aufgetreten. Wo zieht man da die Grenze? In der Pandemie haben wir gemerkt, dass vielen Menschen die Kultur fehlt, dass sie einfach zum Leben gehört und dem Publikum aus dem Herzen gerissen worden ist. Die Menschen brauchen Kultur auch, wenn es einen Ukraine-Krieg gibt. Auf der anderen Seite merken wir jetzt aber : Wir haben gute Abende, aber auch Abende, an denen die Säle leer bleiben und Veranstaltungen abgesagt werden müssen. Das betrifft nicht nur uns, sondern auch die bekannten „Fernseh-Gesichter“.

    Wie ist die Situation aktuell?

    Was die Zuschauerzahlen betrifft, geht es der Theaterlandschaft und auch der Kleinkunstlandschaft gerade am allerschlechtesten. Die Leute haben gelernt, wenn ich nicht jede Woche auf die Party und ins Theater gehe, kann ich auch ein schönes und entspanntes Leben haben und spare sogar noch Geld. Dafür gibt es sogar einen Begriff: „Jomo“ – „Joy of Missing Out“. Das hat keiner so schlimm erwartet. Für die nicht subventionierten Theater, die von den Eintrittsgeldern leben, ist das ein Problem: Jetzt gibt es keine Förderung mehr, die es in den Corona-Jahren 2020/2021 gab. Es geht für sie um die Frage, wie es weiter gehen soll.

    Damit das in Korbach nicht passiert, die Chance auf den Werbeblock: Warum sollte man sich eine Karte für den 12. November kaufen?

    Weil man von uns auf jeden Fall einen Kabarettabend bekommt, den man sonst von keinem anderen bekommt, aufgrund unserer eigenen Mischung, weil es unterhaltsam wird, aber auch anspruchsvoll. Weil gesprochen, aber auch gesungen wird, weil es sehr kurzweilig ist – und weil wir auch noch nie in Korbach waren. Man weiß ja nie, wann das nächste Mal sein wird. Es gibt Liebeslieder, verhohnepipelte Liebeslieder, in einer Nummer jongliere ich, es wird ein bunter Abend.


    Wiebke Eymess und Friedolin Müller

    Unter dem Namen „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ stehen Wiebke Eymess (44) und Friedolin Müller (36) seit 2007 gemeinsam auf der Bühne. Das Paar stammt aus Hannover, lebt aber seit einigen Jahren auf dem Land und hat zwei Kinder. Das Duo ist mit zahlreichen Kleinkunstpreisen ausgezeichnet und in verschiedenen Kabarett- und Comedy-Sendungen des deutschen Fernsehens zu sehen. Unter anderem tritt das Kabarettisten-Duo auch immer wieder in der bekannten ZDF-Sendung „Die Anstalt“ auf. Im Radio-Sender SWR 3 sind sie regelmäßig mit der Comedy „So ist Familie“ zu hören. Die beiden gelten als urkomische Komödianten, als entwaffnend komisch bis romantisch-melancholisch, politisch-agitierend bis kalauernd versöhnlich.  red

  • Rolf Miller

    Dienstag, 27. März 2007 - Stadthalle Korbach

    Kabarettist Rolf Miller gastierte in der Korbacher Stadthalle:
    "Wer fröhlich ist, hat gute Laune"

    Von Julia Renner

    KORBACH. "Kein Grund zur Veranlassung" heißt das Programm, mit dem der Kabarettist Rolf Miller derzeit durch Deutschland tourt. Am Freitagabend stellte der Bayer sein aktuelles Programm auf Einladung des VHS-Kulturforums in der Stadthalle in Korbach vor - und sorgte beim Publikum ür herzhaftes Gelächter.

    In Jeans und T-Shirt sitzt Rolf Miller lässig auf einem Stuhl, dem einzigen Requisit auf der Bühne. Mehr braucht Miller auch nicht, um seine Zuhörer zu begeistern. Die lassen sich mitreißen von der entspannten Art des Rolf Miller, der nur ungefähr jeden zweiten Satz zu Ende bringt. Aber auch diese Halbsätze haben es in sich. "Einmal ist Eiszeit, dann ist wieder Hitz' - das hat doch mit dem Benzinpreis nix zu tun", stellt er angesichts der aktuellen Diskussion um das Klima und die stets hohen Ölpreise klar. Alle wollten plötzlich zurück zur Natur - allerdings mit dem Auto.

    Miller nimmt seine Zuhörer nicht nur mit in die Welt der aktuellen Politik, sondern auch in sein Privatleben. Auch dort passiert Etliches, was sich ür die Bühne eignet. Eine schier unerschöpfliche Comedy-Quelle scheinen seine Freunde zu sein. Der eine sucht eine Traumfrau mit eigener Meinung, die auch stark genug ist, diese ür sich zu behalten. Der andere opfert seinen Lottogewinn ür schnelle Autos und Frauen ("aber nicht die billigsten") und verprasst den Rest einfach. Auch die eigene Ehefrau muss herhalten. "20 Jahre lang waren wir die glücklichsten Menschen. Dann haben wir uns kennen gelernt." So hat er auch einige kluge Ratschläge und Lebensweisheiten parat, die er dem Publikum mit auf den Heimweg gibt: "Probleme in der Beziehung können sich auch auf das Privatleben auswirken." Oder, auch sehr nützlich: "Warum nur fünf Bier trinken, wenn auch zehn reingehen?"

    Aber "Spaß auf die Seite". Miller brachte ein gelungenes Programm auf die Bühne, das beim Publikum sehr gut ankam. Getreu dem Motto: "Wer fröhlich ist, hat auch gleich eine gute Laune." Alles kein Grund zur Veranlassung eben.

    Quelle: WLZ vom 27. März 2007

  • Frieda Braun

    Korbach

    Waldeckische Landeszeitung | Lokales | 26.02.2018

    Kabarettistin Frieda Braun steht gleich zwei Mal auf der Bühne der Stadthalle

    Korbach. „Sprechpause“ lautet das aktuelle Programm von Frieda Braun, die bei ihren Auftritten in der zwei Mal ausverkauften Korbacher Stadthalle aber deutlich schneller als sonst sprach - als wollte sie die während des Schweigeseminars in Ottlar erlittenen Einbußen wieder wett machen. Scheinbar sprunghaft, doch mit einem unverwüstlich roten Faden, der sämtliche Belastungsproben aushielt, assoziierte sich eine vergleichsweise zappelige Frieda Braun durch die absurden Begleiterscheinungen im Umfeld des Seminars.

    Sie wäre gewissermaßen „inkognito“ hier, zog die Kabarettistin aus Winterberg die Zuschauer ins Vertrauen. Korbach wäre die zweite Exkursion, tags zuvor hatte die Gruppe eine vierstündige Führung durch Benkhausen absolviert. Unter der Anleitung eines Guides, der sich auch an die für alle Teilnehmer verbindliche Zehn-Worte-Regel halten musste. Denn Leiter Gerard hätte den Teilnehmerinnen gerade mal zehn Worte am Tag zugestanden. Das Kollekten-Agatha würde gnadenlos die Strichliste führen, gestern Abend hätte Frieda noch zwei Worte für
    „gute Nacht“ übrig gehabt, aber die anderen Seminarteilnehmerinnen aus der Splittergruppe hätten kein einziges Wort für eine denkbare Reaktion auf diese elementare Höflichkeit übrig gehabt.

    Plüschtiere auf die Bühne

    Ursprünglich wollten die elf Frauen ja Schweigen und Fasten buchen, doch das Doppelseminar im schlichter als schlicht eingerichteten Gebäude außerhalb von Ottlar wäre ja noch teurer gewesen. Das kärgliche Speiseangebot mit Vollkornbrot und mehr als würzigem Ziegenkäse würde den Fasten-Effekt ohnehin mit sich bringen. Auch die spirituellen Reisen durch den eigenen Körper wären nicht unbedingt appetitlich.

    Während der Sitzung hatte der spirituelle Leiter den Körper mit einer Fabrik verglichen, den Magen als die Halle bezeichnet, in der die Nährstoffe voneinander getrennt würden. Der Geräuschkulisse nach wäre dann wohl im Magen von Zimmergenossin Brunhilde King Kong wohl als Nährstoff-Trenner am Werk.

    Nach der Pause kamen die Gründe für die Buchung des Seminars zur Sprache und damit auch die Männer an die Reihe. Mittels elf auf die Bühne geworfenen Plüschkängurus hatte die Frauengruppe den Stargeiger André Rieu nachhaltig beeindrucken wollen und mit Klettverschlüssen für zusätzliche Haftung gesorgt. Thekla hatte ihrem Plüschtier sogar noch die Telefonnummer in den Beutel gesteckt, allerdings schlecht gezielt und am nächsten Tag einen Anruf von Konzertbesucher Horst erhalten. Einem seelenverwandten Pedanten, der bei der Liebeserklärung an alles gedacht hatte. Sogar daran, auf einem Sitzkissen auf die Knie zu gehen. Die billige Nachahmung aus China sei allerdings unter seinem Gewicht geplatzt und die Styroporkügelchen hätten sich derart an der statisch aufgeladenen Kleidung der Beinahe-Partner festgefressen, dass die Panne zum vorzeitigen Liebes-Aus geführt habe - und zur Entscheidung mittels des Seminars in Ottlar etwas Abstand vom Alltag zu suchen und sich neu aufzustellen. (ahi)

  • Martina Brandl

    Waldeckische Landeszeitung 20.12.2017

    Kabarettistin in Hochform

    Martina Brandl verteilt Komplimente an das begeisterte Korbacher Publikum

    Von Armin Hennig

    Korbach. Bei der großen Lachnacht im Frühjahr hatte Martina Brandl den stärksten Eindruck hinterlassen und war vom vhs-Kulturforum gleich für das komplette Programm „Irgendwas mit Sex“ engagiert worden.

    Dankbar dafür, dass so schnell ein Ausweichtermin für den im Oktober wegen Grippe abgesagten Auftritt gefunden wurde, lief die Künstlerin am Samstagabend im Korbacher Bürgerhaus zu Hochform auf.

    Auch dank der Unterstützung durch ein überaus aufgeschlossenes Publikum, das erst gar nicht in Rage geredet werden musste, sondern von Anfang an die Komplimente für eine Verständigung ohne sprachliche Missverständnisse verdiente.

    Gesungene Liebeserklärung

    Die als Begleitperson zum Kabarettbesuch genötigten Männer wurden immer wieder ein wenig aufgezogen, bis hin zur Eröffnung, dass der offizielle Titel „Irgendwas mit Sex“ auch als Erklärungshilfe gegenüber Freunden und Kollegen taugen könnte. Mit dem Arbeitstitel „Wechseljahre sind keine Herrenjahre“ sei es für alle Beteiligten doch wesentlich schwieriger.

    Eine gesungene Liebeserklärung an den über Elite-Partner gefundenen Mann, der sich in ihr Herz geputzt hatte, schloss das erste Segment wirkungsvoll ab, in dessen Verlauf Martina Brandl den Bewertungs- oder Wettkampfmodus in allen Lebensbereichen vom Kabarett bis zum Klo auf die erheiternde Spitze mit der Sanifair-Bewertung des gerade absolvierten Stuhlgangs gebracht hatte.

    Am Umgang mit Sehenswürdigkeiten illustrierte sie den Mentalitätswandel. Früher hätten Touristen beim Erinnerungsfoto das Bauwerk oder Kulturdenkmal in den Mittelpunkt gestellt, seit der Einführung des Smartphones sei nicht nur die Anzahl der Knipsereien inflationär angestiegen, beim Selfie seien die Golden-Gate-Bridge und andere Riesenbauwerke auf die Rolle der verdeckten Hintergrunddeko geschrumpft.

    Statt dessen habe sie in Berlin hautnah den Trend zur Food-Pornografie miterleben, bei der die Hipster nur mit bekannten Dickmachern wie einer Schüssel Macarons fürs Selfie posieren und die kalorienreichen Köstlichkeiten anschließend stehen lassen. Auch die Auseinandersetzung mit Smartphone und Selfiewahn fand ihren krönenden Abschluss in einem Lied, dem Reggae „Ich lass’ mir nen QR-Code auf den Arsch tätowier’n“.

    Haarige Themen

    Haarige Themen beherrschten die zweite Hälfte, denn der Besuch beim angesagten Berliner Friseur mit der Endloswarteliste erweist sich erst als Konfrontation mit den Komplexen wegen dicker Haare (als würden Mastschweine aus meinem Kopf wachsen), ehe die Dämpfe der Chemikalien für einen Trip sorgen, in dessen Verlauf die Frauen ohne Termin im Untergeschoss ritualisierte Nackttänze aufführen.

    Immerhin wird die schaurige Vision nicht extra berechnet. Beim eifrigen Mitsingen des Refrains der Zugabe „Surfen auf dem Klo“ verdienten sich die Zuschauer im Bürgerhaus nicht nur Extra-Komplimente, sondern auch die dritte Zugabe: Die Evita-Parodie „Schenk mir nie mehr Auberginen“ (Don’t cry for me Argentina).

  • Anka Zink

    Montag, 02. Dezember 2013 - Bürgerhaus Korbach


    Anka Zink nimmt ihre Zuhörer mit auf die Reise durch eine technisch fremdbestimmte Gegenwart

    In ihrem Programm "Sexy geht anders..." bringt Anka Zink die Widersprüchlichkeiten und Sachzwänge des elektronischen Zeitalters auf den Punkt.

    VON ARMIN HENNIG

    Korbach. "Ich pflege meine Ladestationen und erziehe meine Akkus. Zu Hause ist dort, wo der Strom stabil ist", lautete ein erstes Etappenfazit der Bonner Kabarettistin auf der Reise durch eine technisch fremdbestimmte Gegenwart, in der sich Geräte beim Nutzer fürs Ausstecken rächen, weil danach nichts mehr wie vorher funktioniert.

    Schon auf der Startgeraden hatte Anka Zink sämtliche falschen Assoziationen mit dem Schlüsselbegriff sexy aufgeklärt: Im Verlauf des Abends seien keine Beine schwingenden Tänzerinnen zu erwarten. Damit eröffnete sie den Männern im Bürgerhaus rechtzeitig die Gelegenheit zur Flucht, ehe sie die Frauen im Saal auf einige Zumutungen in Sachen Technik einstimmte.

    Doch alle blieben auf ihren Plätzen, wahrscheinlich hatten die meisten auch den programmatischen Untertitel "Fummeln war früher, heute ist Twittern" gelesen. "Facebook ersetzt mehr und mehr den Blick aus dem Fenster, 1980 noch eine der vier beliebtesten Tätigkeiten in Deutschland", so die Kabarettistin, ehe sie auf die bedenklichen Seiten der ebenso verhassten wie oft genutzten Plattform zu sprechen kam. Denn seit der unvermeidlichen Einrichtung eines eigenen Profils mehrten sich die Kommentare von Leuten, mit denen man schon in der Schule nichts anfangen konnte wie die Geli, die im Lauf der Jahre nichts an Aufdringlichkeit eingebüßt hat. Allerdings outet sich die ehemalige Mitschülerin mit ihrem Profilbild in einem täuschend ähnlichen Umfeld als Vertreterin der "Mehr-Leistung-für-weniger-Geld"-Generation, denn Geli und ihre Freundinnen haben sich alle beim selben, einander gegenseitig als besonders günstig empfohlenen Chirurgen liften lassen. Und da der Schönheitshandwerker nur ein einziges Lächeln beherrscht, gleichen sich die Profilbilder zum Verwechseln.

    Die bezeichnenden Differenzen zwischen einer analogen ersten Lebenshälfte und dem mehr und mehr digital dominierten oder elektronisch bevormundeten Rest des Lebens sind für die meisten bezeichnenden Lacher gut. Etwa die allgegenwärtigen Piepsgeräusche beim Trockner, der als Tamagotchi für Rentner fungiert, oder beim Einparken, wo die Stoßstange längst nicht mehr ihrem Namen gerecht wird, sondern nur als Konsole für Sensoren herhält. Der Sensor für den Beifahrer ist gleich für den nächsten großen Lacher beim Thema Bevormundung durch Technik gut. Denn der Gurtwarner reklamiert piepsend die Handtasche als nicht angeschnallten Beifahrer und da zugleich die Sitzheizung ohne hörbares Lebenszeichen anspringt, ist der Labello bei der Ankunft am Reiseziel geschmolzen.

    Der schnellste und richtige Weg zum Ziel ist die dankbarste Fundgrube zum Thema einst und jetzt. Früher studierte man und frau vor Reiseantritt den Falk-Plan, eine Institution, die bei heutigen Jugendlichen allenfalls für Assoziationen zum Vogelschutz gut ist. Damals stand der Straßenatlas-Klassiker mit der Patentfaltung und " ausgerechnet " den Champs-Elysées im Schlitz für einen Wutausbruch der Mutter, die den einmal entfalteten Plan in einen Ball verwandelte. Die Gegenwart mit Navi ist allerdings nicht einfacher, denn jedes Mal wenn Mutti dem Vati, der seine Gleitsichtbrille vergessen hat, mit dem Finger auf dem Touch-Screen Anhaltspunkte gibt, verstellt sich das Gerät, sodass am Ende doch das daheim erstellte analoge Backup auf der persönlichen Festplatte zum Ziel des digital begonnenen Remixes der Reise in die Champagne führt, bei deren Erstauflage mangelhafte Französisch-Kenntnisse noch zum Verlust der Unschuld an einen Bäcker geführt hatten.

    Doch auch in jenem verschlafenen Nest ist die Zeit nicht überall stehen geblieben. Die Frischfischtheke ist wegrationalisiert, das Rotweinsortiment ist dafür immer noch hervorragend und Vater nicht mehr fahrtüchtig. Aber die Eltern haben immer noch nicht realisiert, dass die Tochter seit über 30 Jahren den Führerschein hat. In der Technik hat sich seitdem viel getan, im Bewusstsein der Eltern bleibst du immer Kind, lautet die Bilanz der Reise.

    Doch Bevormundung lauert überall in Form von Passwörtern: von der EC-Karte bis zum Kühlschrank, dessen 16-stellige Kombination nach der ersten Flasche Weißwein eine unüberwindliche Hürde vor der zweiten aufbaut. Die Twitter-Meldung "Achtung, die Erde dreht sich nicht mehr, Gott hat das Passwort vergessen" sollte sich als finaler Kommentar zum Passwortwahn erweisen.

    Als Zugabe gab es ein Wiederhören mit "Mascha", denn der polnische Stammgast in den Anka-Zink-Programmen hat die Branche gewechselt und macht nicht mehr in Erotik, sondern gibt als Navi-Stimme respektlose Richtungsvorgaben.

    Quelle: WLZ vom 2. Dezember 2013

  • Reiner Kröhnert

    Dienstag, 30. September 2008 - Bürgerhaus Korbach


    Im Tigerinnendunst der Macht

    Reiner Kröhnert brilliert zur Eröffnung der VHS-Kultursaison in der Korbacher Stadthalle

    VON THERESA DEMSKI

    Korbach. Er ist ein ganz normaler Typ, als er am Samstagabend um Punkt acht Uhr in der Korbacher Stadthalle die Bühne betritt. Ein kurzes Nicken, dann lässt Kabarettist Reiner Kröhnert die Kinnlade fallen, nimmt in dem Sessel Platz, der neben einem Rollstuhl seine einzige Requisite ist, und von jetzt auf gleich beginnt ein parodistisches Spektakel, das seinesgleichen sucht.

    Die Kanzlerin bekommt schlüpfrige Nachrichten, manchmal direkt in die Plenarsitzung. "Seine Worte berühren meine emotionalen Synapsen, lassen mein Bollwerk der erotischen Abwehrbereitschaft bröckeln", gibt sie zu und fast könnte man vergessen, dass hier nicht Angela Merkel selbst, sondern Parodist Reiner Kröhnert spricht. Reiner KröhnertDer hat die Kinnlade fallen lassen, die fesche Frisur der Kanzlerin auf dem Kopf und trifft den Merkel-Ton. Und so absurd die Szenerie von der verliebten Kanzlerin auch ist, sie macht Spaß und eröffnet dem Publikum wunderbare Einblicke in das politische Berlin.

    Denn gemeinsam mit Kabarettist Reiner Kröhnert, der an diesem Abend die Saison des VHS-Kulturforums fulminant eröffnet, machen sich die Zuschauer auf die Suche nach dem Lustmolch, der vom Tigerinnendunst der Kanzlerin und ihrem Wurzelhaar schwärmt. Hilfesuchend wendet sich "Angie" an CDU-Kollegen Peter Hinze ("ich bin der kleine Pastor von der Hallig Höge"), der mit Kollege Ronald Pofalla um die Gunst der Kanzlerin kämpft. "Mach die Kriegsspur frei", näselt Kröhnert in bester Pofalla-Manier, "Sie sind doch der Schleim von gestern." Und dann läuft der große Mann mit dem klugen Witz zur Hochform auf, wechselt die Szene und bestreitet eine ganze Talkrunde alleine. Vom Rollstuhl aus lässt er Wolfgang Schäuble an der "Achsel des Bösen" schnuppern und köstlich schwäbeln ("Datenschutz -des ischt Schnee von vorgesch-tern"). Und während er Edmund Stoibers rhetorische Missgriffe zum Leben erweckt, Friedrich Merz Beschimpfungen in den Mund legt ("die Merkel, die aufgeblasene Pseudo-Intellektuel-le") und Helmut Kohl über sein kleines Mädchen nuscheln lässt, verdichtet sich der Verdacht, dass der Krisenstab, dem auch Daniel Cohn-Bendit und Wolf Biermann beisitzen, die Merkel loswerden will.

    Wer könnte da besser helfen als Gerhard Schröder, denkt sich die illustre Männerrunde. Der Ex-Kanzler will erst Freund Wladi anrufen, "der erledigt solche Dinge, ohne Spuren zu hinterlassen", kommt aber zu dem Schluss, dass gekonntes Mobbing es genauso gut tut. "Darin hat die SPD schließlich Übung", witzelt er. Den Platzeck, "die olle Ossi-Pflaume", habe er nur ordentlich zusammenbrüllen müssen, schon habe er einen Hörsturz gehabt - und der komme bekanntlich vor dem Fall. Was aber wenn die Merkel am Ende Unterstützung von "Latex-Luder" Gabriele Pauly bekommt (Schröder: "Mit der würde ich gerne mal koalieren"). Dringender sei es da, die Quoten-Quallen und Frustschnecken Ypsilanti und Nahles loszuwerden.

    Gut, dass keiner der Herren weiß, dass die Merkel im Hintergrund längst die Fäden in der Hand hat. Die nämlich hat Klaus Kinski als ihren lüsternen Verehrer enttarnt ("er lebt, der Kinski lebt") und widmet sich nach einem eindrucksvollen Auftritt von Erich Honecker wieder ihrem Geschäft - der Kontrolle der männlichen Kollegen. Das Publikum ist begeistert, der Applaus endlos und die Zugabe zum Schreien komisch.

    Quelle: WLZ vom 30. September 2008

  • Sissi Perlinger

    Montag, 15. Oktober 2007 - Bürgerhaus Korbach


    Überzeugende Vielfalt

    Mit Tanz, Gesang und Schauspiel beeindruckte Sissi Perlinger ihr Publikum

    Von Barbara-Maria Birke
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    KORBACH. Gut gelaunt begrüßte Entertainerin Sissi Perlinger in Netzstrumpfhose, schwarzer Panty und Leopardenshirt am Samstagabend ihr Korbacher Publikum und versprach nach kräftigem Willkommensapplaus: "Für diese Reaktion spiel ich Ihnen den Arsch ab." Ihr Versprechen hielt sie. Zwei Stunden brachte sie die Besucher mit ihrer "Singledämmerung" zum Lachen und beeindruckte durch ihre Vielseitigkeit bei Tanz, Gesang und Schauspiel.

    Zahlreiche Rollen

    Ob als Frau Schamani, Oma, Tante oder rote Schlange verkleidet: Perlinger wusste in ihren Rollen zu überzeugen. Als Gelehrte erklärte sie die Liebe auf wissenschaftlich-humorvolle Art. "Die Liebe ist eine sanfte Einstiegsdroge und ein Hormoncocktail, der so lange anhält, bis der Nachwuchs aus dem Gröbsten raus ist."

    Anschaulich schilderte sie die Schwierigkeit als Single: "Jetzt in meinem Alter noch mal einen Kerl zu kriegen, ist ungefähr so, als würde ich mit einem brennenden Reifen in der Hand auf der Straße stehen und zu einem angefahrenen Hund sagen: Spring!"

    Viel Gelächter gabs auch für ihre Beschreibung des weiblichen Überlebenskonzepts: Wir stellen uns noch blöder an, als wir eh schon sind. Und so lange wir jung und knackig sind, kommen wir ja damit auch noch durch.
    Ausdrucksstark stellte Perlinger das Single-Dasein und die damit verbundenen Emotionen von tief-traurig, wütend bis fröhlich schauspielerisch und gesanglich dar. Ihr Repertoire reichte von Klassik, Pop und zungenbrecherischem Rap bis Heavymetal. Ihre aufwendigen, selbst entworfenen Kostüme begeisterten.

    Nach einer herausragenden Vorstellung zeigte sich Sissi Perlinger publikumsnah, schrieb ihren Waldecker Fans bereitwillig Autogramme.

    Foto: Birke

    Quelle: HNA vom 15. Oktober 2007

  • Uwe Steimle

    Mittwoch, 09. April 2008 - Stadthalle Korbach


    Ostalgie-Kurs auch für Wessis


    KORBACH (lb). Einen Crash-Kurs in Ostalgie hat Schauspieler und Kabarettist Uwe Steimle am Donnerstag dem Publikum in der Korbacher Stadthalle geboten - mit feinsinnigem Humor und feinem Dresdner Sächsisch.

    Wissen sie, was "Schnittgerinne" ist? "Sie müssen fragen!", fordert Uwe Steinle das Publikum in der Stadthalle immer wieder auf. "Bei uns hat das auch so angefangen, dass keiner mehr gefragt hat." Die Mauer ist weg, die Sprache zieht weiter einen tiefen Graben: Auch knapp 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist den Westdeutschen das Ost-Vokabular genauso fremd wie die Menschen dort. Und auf der Beliebtheitsskala deutscher Dialekte rangiert Sächsisch meist sehr weit unten. In den Ohren von Uwe Steimle klingt die Mundart allerdings wie Musik, ganz besonders das "feine Dresdner Sächsisch" aus seiner Heimatstadt.

    Der Schauspieler und Kabarettist ist einem großem Publikum vor allem durch seine Rolle als "Polizeiruf "-Kommissar Jens Hinrichs bekannt. Aber auch mit seinem Kabarett-Programm feiert er Erfolge: Im Osten weckt er sächselnd nostalgische Gefühle und kühlt mit Humor seelische Wunden, im Westen schürt er ironische Selbsterkenntnis und öffnet Ohren.

    Sein Programm besteht in erster Linie aus den bis ins Absurde getriebenen Dialogen zwischen Günther Zieschong, arbeitsloser Ex-Brigadier, und Rentnerin Ilse Bähnert, die sich mit dem nach der "Kehre", wie Steimle die "Wende" nennt, übergestülpten West-Alltag auf eine ganz eigene Art und Weise arrangiert haben. Steimle hat den Dresdnern für seine liebevoll gezeichneten Figuren aufs Maul geschaut und eine gehörige Portion Ostalgie mit dazu gepackt. Die Eintrittskarte sei eine gute "Inostition", verspricht Steimle dem Korbacher Publikum.

    Die "Wende" ist dabei der neuralgische Punkt seines Programms, sozusagen die Wurzel allen Übels. Dabei hätte man 1990 nur von den Westsemmeln auf das ganze System schließen müssen, mit der ganzen Luft, aus der sie bestünden. Der Grat von erlaubter Nostalgie hin zur verklärten Glorifizierung der DDR-Vergangenheit ist schmal.

    Steimle hat das nötige Fünkchen Selbstironie bei aller Kritik am Westen aber immer parat: "In der DDR wurden wir von Dummen regiert, das wussten wir. Aber hier sind es Kluge, Studierte. Das ist viel gefährlicher." Und der Dresdner hat die Hoffnung für den "Standort Deutschland" aber noch nicht aufgegeben: "Es heißt noch nicht: Stand dort Deutschland?"

    Als Bonbon zum Abschluss gab Steimle mit typisch asthmatischer Stimme den Honecker - mit Seitenhieb auf die neuen "Linken": "Wenn man genau hinhört, der Lafontaine spricht auch schon so." Ach ja: "Schnittgerinne" nennt der Dredner die Gosse.

    Quelle: WLZ vom 19. April 2008

  • Volker Pispers

    Donnerstag, 19. Oktober 2006 - Stadthalle Korbach


    600 Besucher genießen politisches Kabarett mit Volker Pispers

    "Ich meine alles so, wie ich es sage"

    Von Thomas Kobbe


    KORBACH. Politisches Kabarett? So richtig knallhart und gnadenlos? Keine ironischen Seitenhiebe, sondern Frontalangriffe auf den "genetischen Sondermüll", der sich "Volksvertreter" nennt? Für diese seit langem unerledigte Aufgabe kommt momentan nur einer in Frage: Volker Pispers. 600 Besuchern in der Korbacher Stadthalle erklärte der Düsseldorfer seine Sicht der Dinge - fast drei Stunden lang.

    Keine drei Minuten und es ist klar: Ein "Best of"-Programm, wie angekündigt, wird das zum Glück nicht. Der tagesaktuelle Irrsinn treibt den Kabarettisten wie Kerosin einen Airbus an. Pispers hebt sofort ab. Das Ende der Ironie hält er für gekommen. Keine harmlosen Wortspielchen mehr, kein Routineflug mit Autopilot zu bekannten Zielen, sondern harte Pointen-Punktlandungen, fast so grausam wie ein Absturz.

    Das vermeintliche Spitzenpersonal der Republik ist als Erstes an der Reihe. "Münte" könne man nicht mehr ernstnehmen, der "ist doch komplett hohlraumversiegelt", Schäuble "ein Attentatsopfer und Rollstuhltäter" in einer Person und bei "Tri-Tra-Tr-Ulla Schmidt weiß man nie, ob sie gerade zuständig ist oder ständig zu". "Die Kanzlerin zitiere ich am besten wörtlich. Ich habe noch keine bessere Möglichkeit gefunden, die Frau zu beleidigen."

    Wenn Pispers den Kokon neoliberalen Gewäschs entlarvt, hört sich das etwa so an: Wer meint, dass Unternehmen mehr Gewinne machen müssen, um Arbeitsplätze zu schaffen, "glaubt auch noch an den Weihnachtsmann". Und für die Sanierung der Staatsfinanzen smpfiehlt er ein einfaches Rezept: "Die FDP müsste ihre Mitglieder lediglich überreden, nur ein halbes Jahr lang auf Steuerhinterziehungen zu verzichten."pispers-wlz

     

    Ätzend aus seiner Sicht auch das ewige Gejammere der seit Jahrzehnten verhungernden Mediziner. Es stimme nachweislich nicht, dass ein Ärztemangel drohe: "In Großstädten wie Düsseldorf gibt es Viertel, da treffen Sie mehr Kardiologen als Menschen mit Herz."

    Der Wahnsinn hat Methode, also braucht auch derjenige eine gute, der ihn beseitigen will. Pispers Vorgehensweise: Verstand entlarvt Geschwätz, Vernunft begegnet gezielt genährten Vorurteilen. Für seine Verbalattacken lässt er keine Gürtellinie gelten. "Ich meine alles so, wie ich es sage", versichert er am Ende noch einmal. Pispers ist mehr als nur ein Freund offener Worte, sein Verhältnis zur entblößenden Wahrheit geht über eine platonische Beziehung weit hinaus.

    Im zweiten Teil des fast dreistündigen Programms beschäftigt sich Pispers mit dem 11. September. Am 11. September 1973 wurde Chiles sozialistischer Präsident Salvador Allende gestürzt - "von der Terrororganisation CIA". Der damalige Bin Laden, der amerikanische Außenminister und spätere Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger, "ist bis heute nicht ergriffen, außer von sich selbst". Der studierte Pädagoge gibt Geschichtsunterricht. Der Vortrag gleicht in weiten Teilen einer Predigt. "Können Sie sich noch erinnern?" wird zum Glaubensbekenntnis. Das Publikum folgt dem Radikalsatiriker durch diese schwierige Passage. Das Experiment gelingt: Ursachenforschung in Sachen Terrorismus und Schurkenstaaten bekommt bei Pispers Unterhaltungswert. Die Pointen setzt er dabei spar- und sorgsam ein: Die weltpolitische Rolle der Deutschen als Waffenlieferanten folge der Prämisse "Ohne Deutschland darf nie wieder ein Krieg ausgehen."
    Pispers wurde 1958 in Mönchengladbach-Rheydt geboren. Nach dem Abitur studiert er ab 1976 Anglistik, katholische Theologie und Pädagogik in Bonn und Münster. 1979/80 lebt und arbeitet er ein Jahr in England als "assistant teacher". Dort vertieft er seine Vorliebe für den schwarzen Humor und entdeckt seine Liebe zur Bühne. 1983 geht er mit seinem ersten Soloprogramm "Kabarette sich, wer kann" auf Tournee. Nach seinem Engagement als Schauspieler am Wolfgang-Borchert-Theater Münster konzentriert er sich ab 1986 aufs Kabarett. Vier Jahre später dann der Ritterschlag: Pispers wird Autor, Ensemblemitglied und Künstlerischer Leiter des Düsseldorfer Kom(m)ödchens. Bereits ein Jahr später verlässt er das renommierte Haus wieder, um solo zu arbeiten. In diesem Jahr zeichnete ihn der Bayerische Rundfunk mit dem Bayerischen Kabarettpreis aus.

    Statt einer weiteren Zugabe folgt am Ende der Veranstaltung des VHS-Kulturforums ein Wort in eigener Sache. Pispers bittet sein Publikum in Korbach, nicht nur die Gastspiele angesagter Kollegen zu besuchen. Zu Beginn seiner 24-jährigen Laufbahn habe auch er magere Zeiten erlebt. Umso mehr freue er sich in jüngster Zeit über ausverkaufte Hallen. Doch Programme, die nur vor 60 Leuten gespielt werden, seien nicht automatisch schlechter und auch ein schlechter Kabarettabend besser als eine Stunde "Sabine Christiansen".

    Quelle: WLZ vom 19. Oktober 2006


    Gratwanderung mit Volker

    Bei Kabarettist Pispers bekommen Bundestag und USA ihr Fett weg

    Von Astrid Rau

    KORBACH. Mit einer Gratwanderung zwischen feiner Ironie und offener Beleidigung unterhielt der Kabarettist Volker Pispers am Dienstagabend seine Fans in der Korbacher Stadthalle. In seinem Programm "Bis neulich" bekamen nicht nur die Parteien im Bundestag ihr Fett weg, sondern auch die USA mit ihrer Außenpolitik. Dabei bevorzugte er eine sehr deftige Sprache.

    Tagesaktuell

    Eine Stärke von Pispers scheint zu sein, tagesaktuelle Ereignisse in sein Standardprogramm nahtlos einzuarbeiten. So ließ er sich ausführlich über die gegenwärtige Armutsdebatte aus. Bei uns jammerten immer die, denen es gut gehe "oder sehen Sie die Unterschicht ständig im Fernsehen jammern?" Immerhin sei Deutschland "ein Land, in dem die Bevölkerung noch Geld hat, um Bücher von Eva Herman zu kaufen". Zu den SPD-Kommentaren zur Sache meinte er: Der Satz "Ich bin SPD und links" sei eine 15 Jahre alte Pointe, die die meisten erst heute begriffen.
    Pispers schlug den Bogen über die schwer verständliche Steuerreform und die Arbeitslosenproblematik zur Gesundheitsreform. Dazu hätte Westerwelle festgestellt, Zahnersatz sei Sozialismus pur, Versicherungsschutz müsse individuell zu gestalten sein. Pispers dazu: bei uns hätte "die Unterschicht noch alle Zähne im Maul". Die alten Leute überall woanders "laufen da viel individueller rum".

    Weiter ging es mit "meiner Kanzlerin". Sie zitiere er "am liebsten wörtlich. Ich habe noch keinen besseren Weg gefunden, sie zu beleidigen". Die Elefantenrunde nach der Wahl habe sie nur wegen des proletenhaften Auftritts Schröders gewonnen: "Ich hab gedacht, wenn die Krawatte verrutscht, sieht man (bei ihm) das Goldkettchen."

    Im zweiten Programmteil schoss sich der Kabarettist auf die USA ein. Ausführlich ließ er deren Rolle bei den Kriegen in Afghanistan und am Persischen Golf Revue passieren.

    Leider bediente sich Pispers hier zunehmend der Fäkalsprache, wobei vor allem US-und Nahost-Politiker ihr Fett abbekamen. Das Publikum schien das aber nicht zu stören.

    Besonders eindringlich waren dagegen Pispers Kommentare zur unterschiedlichen Wertigkeit, die die USA Menschen gäben. Als Beispiel führte er die US-Weigerung an, Afrika den Zugang zu preiswerten Aids-Medikamenten zu ermöglichen. Als es in Amerika zu Milzbrandfällen gekommen war, hätten die USA jedoch den Bayer-Konzern gezwungen, das Medikament dafür herauszugeben.

    Über den insgesamt unterhaltsamen Abend sagte Pispers-Fan Elke Stahl aus Bad Wildungen: "Absolut Wahnsinn.". Den Politikern empfahl sie, politisches Kabarett zu gucken: "Denn da wird mal Wahrheit gesagt, das, was alle denken."

    Quelle: HNA vom 19. Oktober 2006

  • Urban Priol

    Freitag, 13. September 2002 - Bürgerhaus Korbach


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